Tannheimer Gipfeljagd (2)
Geschrieben von Magnus Bühl in Allgemein, BEWUSST-naturnah-SEIN, Bergfoto, Fotos, Naturfoto, Sport
Vorgestern Abend habe ich Euch Teil 1 präsentiert, heute geht es weiter mit Teil 2:
(Das Video ein paar Zeilen weiter unten zeigt Euch, dass die Situation auf dem Brentenjoch schon um Klassen besser ist als auf dem Aggenstein)
Der Weg vom Brentenjoch bergab hinunter zum Tannheimer Höhenweg, der vom Aggenstein hinüber zum Füssener Jöchle führt ist schnell gelaufen. Die ersten Sonnenstrahlen lassen mich schon den ungemütlichen Beginn des Tages vergessen.
Auf dem Höhenweg angekommen geht es wieder bergan in Richtung dem Füssener Jöchle. Der Weg hier hinüber hat man im letzten Jahr extrem ausgebaut. Ein großer Teil des Weges ist kein Bergpfad mehr, sondern eher schon eine Piste für Halbschuhtouristen. Na ja, sei’s drum, wenigstens scheinen die Baumaßnahmen schonend durchgeführt worden zu sein.
Die Schneefelder sind im Vergleich von vor 2 Wochen schon um einiges kleiner geworden und ich muss nur mehr selten über Schnee queren. Kaum ist der Schnee an einer Stelle getaut, schon schießen die Blumen und Gräser mit Macht aus dem Boden. Immer wieder faszinierend!
Oben am Füssener Jöchle ist zwar die Bahn von Grän herauf in Betrieb aber kein Mensch zu sehen. Das Wetter ist mittlerweile richtig sonnig geworden, nur im Osten sind noch Reste der Regenwolken. Ein paar Meter weiter am Übergang zum Raintal, mache ich kurz Rast. Ein wenig Trinken, ein Riegel und eine Lage Sonnencreme erleichtern den Weiterweg. Die Temperatur ist nun im optimalen Bereich für so eine Wanderung, etwa um die 15 Grad.
Ich quere nun unterhalb der kleinen Schlicke und oberhalb der Otto-Mayr-Hütte entlang hinüber zur Großen Schlicke. Bis zum letzten Anstieg ist der Weg ein ständiges Auf und Ab zwischen 1800 und 1900m, d.h. ich gewinne keine Höhe, bewältige aber doch einige Höhenmeter.
In der Ferne sehe ich die frisch bis etwa 2500m hinunter verschneite Zugspitze. Der letzte Anstieg zur Großen Schlicke auf 2.060m ist dann wieder steiler. Ich erreiche den Gipfel um 09:50 Uhr und gönne mir auch hier wieder einen Schluck Wasser mit “wirklicher Energie”. Dieses Wasser ist übrigens ein kleines Geheimnis von mir
. Dann wieder einen Riegel und schon starte ich den langen Abstieg bis zur Musauer Alm. Die 750 Höhenmeter hinunter schaffe ich in knapp 42min.
Der Talboden des Raintals ist mental eine Schlüsselstelle, den eigentlich ist man ja schon wieder unten auf 1.290m. Doch nun geht es wieder hinauf in Richtung Gehrenjoch und Gehrenspitze, was in der Summe fast 900 Höhenmeter Aufstieg bedeutet. Der Weg führt durch dichten Bergwald hinauf. Mein Füsse finden den richtigen Rhythmus, der Puls bewegt sich zwischen 120 und 130. Nach 300 Höhenmeter lichtet sich der Wald und man blickt direkt auf die Schneidspitze, die sich zwischen Gehrenjoch und Sabajoch erhebt.
Es ist mittlerweile kurz nach 11 Uhr und ich raste an einem mit Schmelzwasser gefüllten Bach, der mir auch als Wasserlieferant für mein Mittagessen dient. Währen ich die große Schüssel selbst gemixtes Müsli verspeise, schaue ich auf ein Meer von Sumpfdotterblumen. Das Wetter ist weiterhin wolkig mit einigen sonnigen Abschnitten und angenehm warm.
Nun steige ich teils querfeldein, teils über letzte Schneefelder, doch dann auch wieder auf dem Pfad hinauf zum Gehrenjoch. Hier bin ich vor 2 Wochen umgekehrt, weil eine Gewitterfront die Gehrenspitze zeitlich nicht mehr erlaubt hat, aber heute hält das Wetter.
Die Pfadspur führt erst unschwierig über steiles Wiesengelände hinauf zum Gipfelaufbau. Doch beim Einstieg in den sogenannten “Kamin” lasse ich die Stecken zurück. Eine Familie mit zwei Kindern führt die beiden angeseilt zum Gipfel hinauf. Der Kamin ist vom Schwierigkeitsgrad I-er Gelände. Nachdem ich diesen bewältigt habe, sind die letzten 50 Höhenmeter leichte Kletterei mit Grad I-II. Doch hier heißt es aufpassen, denn das Gelände ist offen und ein Fehltritt oder -griff kann Folgen haben.
Geschafft, in den Wolken stehe ich auf der 2.163m hohen Gehrenspitze. Die Familie mit den zwei Kindern kommt ein paar Minuten später dazu und wir teilen uns die Sicht in graue Wolken, zwischen denen ab und zu ein Stück Blau oder ein Sonnenstrahl durchblitzt. Hier hält es mich nicht lange. 5 Gipfel sind geschafft und 5 stehen noch bevor. Da es schon 13 Uhr ist breche ich schnell nach unten auf. Der Weg hinunter bis zum Kamin ist ungesichert und verlangt volle Konzentration.
Seid gespannt auf Teil 3
Bewertung:
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Lieber Magnus,
ist ja ein prima Bericht, vor allem, wenn man die Strecken (zumindest zum Teil) kennt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und bin gespannt, ob Du es geschafft hast.
Ciao Ulrike
[...] 3, sorry. Doch es ist viel passiert in der Zwischenzeit. Wer hier einsteigt, sollte erst Teil 1 und Teil 2 lesen … Kommentare sind wie immer herzlich willkommen [...]